Legendäre Elfmeter, nächste Folge

Ok, nachdem wir hier gestern noch den Kutzop-Elfer gepostet haben, müssen wir den hier wohl auch noch in die beliebte neue Reihe “Legendäre Elfmeter” aufnehmen:

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Drei Warmmacher für das Finale

Dortmund-Bayern, das ist — nein, keine Sorge: jetzt steht hier nicht, dass das ein Klassiker sei, obwohl es das natürlich ist. Aber es ist auch eines dieser vermutlich grandiosen Endspiele, wie es sie in der Bundesliga alle paar Jahre mal gibt. Und das, obwohl es in der Bundesliga ja offiziell gar keine Endspiele gibt. Jedenfalls: Wer heute Abend verliert, wird es schwer haben, wobei die Bayern es im Falle einer Niederlage noch schwerer haben dürften als die Borussen. Zur Einstimmung ein paar Szenen aus ein paar sehr legendären Endspielen, die offiziell gar keine waren.

Da war zum Beispiel, sorry Bremen-Fans, die Sache mit diesem Elfmeter:

Gut, zugegeben: Für das hier muss man sich ein bisschen länger Zeit nehmen, aber es sind zehn Minuten, die sich lohnen, wenn Sie nicht gerade königsblau sind:

Natürlich, entscheidend könnte heute Abend jemand ganz anderes sein, der Mann mit der Pfeife nämlich. Warum das so ist, sehen Sie im nachfolgenden Video. Beachten Sie hierbei auch bitte die messerscharfen Äußerungen der beiden Vertreten der Intelligenz unserer Münchner Vereine.

Und vor allem: Viel Spaß heute Abend!

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Kioyo? Ich kenne keinen Kioyo…

Das Tolle an solchen Sachen wie “Twitter” ist ja, dass man dort regelmäßig mit Menschen in Verbindung kommt, die man zwar nicht persönlich kennt, es aber trotzdem gewisse Sympathiefaktoren gibt. Die Sechziger beispielsweise in der Timeline, die sind meistens ungewöhnlich nett und außerdem erkennt man sie schon alleine an den gedrückt klingenden Kommentaren an den Spieltagen (und an allen anderen Tagen eigentlich auch). Jedenfalls hat sich in dieser Woche ein Kurzdialog ergeben, an dem streng genommen der Sportchef dieser Zeitung schuld war. Er fragte nach einem gewissen Francis Kioyo und was aus dem Mann eigentlich geworden sei. Ich konnte ihm nicht antworten, weil ich zu Kioyo ein ähnliches Verhältnis habe wie die Freunde von Asterix zum Ort einer großen gallischen Niederlage: Kioyo? Ich kenne keinen Kioyo.

Aber wenn wir schon über Männer reden, die ich nicht kenne: Es gibt ja im Fußball-Leben prägende Momente, in denen man weiß, dass es etwas vorbei ist. Als dieser Herr K. damals zu seinem Elfmeter anlief, wusste ich: Ade Bundesliga, das war´s. (Bitte sehen Sie sich das nachfolgende Video nur an, wenn Sie über ausreichende masochistische Neigungen verfügen und sich wirklich gerne quälen lassen).

In diesem Zusammenhang ist der Zeitpunkt gekommen, dass wir uns in aller Würde und Freundschaft und auch durchaus angemessenen Sympathien für längere Zeit vom Erstligisten 1. FC Kaiserslautern verabschieden. Im Gegensatz zu den Löwen haben die keinen Francis, den sie für alle Zeiten mit dem Niedergang verbinden können, sondern nur ein Datum: 7. April 2012. Natürlich hat der FCK noch immer eine rechnerische Möglichkeit, irgendwie drin zu bleiben, aber ich vermute, dass nicht mal mein lieber Freund K., ansonsten in Sachen Lautern ein echter Meister des Realitätsverlusts, noch ernsthaft daran glaubt. Würde man die rhetorische Frage stellen, was für Lautern spricht, man müsste mit einem trockenen “nichts” antworten. Die Liste hingegen, was Lautern jegliche Hoffnung nehmen sollte, ist zu lang, als dass man sie in einem gewöhnlichen Blogeintrag abarbeiten könnte.

Löwen und Lautern sehen sich also nächstes Jahr in Liga 2 wieder und leider muss man befürchten, dass man in der Pfalz vor einem ähnlichen Schicksal steht wie die Sechzger. Das Schicksal dieser Vereine, die irgendwo zwischen den Ligen pendeln, ist häufig von frappierenden Ähnlichkeiten geprägt: Man muss es mit Brachialgewalt versuchen, wieder nach oben zu kommen, weil gerade Traditionsvereine nicht nur wegen ihrer Tradition, sondern auch wegen ihrer Strukturen in der 2. Liga kaum überlebensfähig sind. Man kann das einmal machen mit dem absteigen, zweimal vielleicht auch. In der Regel ist der dritte Abstieg dann häufig der Knackpunkt, wenn man nicht gerade der “Club” ist, bei dem das regelmäßige ab- und aufsteigen sozusagen zum Markenkern gehört. Ansonsten sind die zweiten und dritten und manchmal auch vierten Ligen voll mit Vereinen, die am Versuch, sich dauerhaft zu etablieren, gescheitert sind. Der unabsteigbare und immerwiederaufsteigbare VfL Bochum beispielsweise spielt eine trostlose Saison in Liga 2, der 1. FC Köln, der nach dem letzten Aufstieg und mit Poldi ja eigentlich mittelfristig europäisch spielen wollte, stolbökkt nahe des Abgrunds, ebenso die Hertha.  Womöglich ist also das Pendlerdasein die gefährlichste aller fußballerischen Existenzformen.

Ach, und wenn Sie dann übrigens doch noch wissen wollen, was aus Francis Kioyo geworden ist: Im September wurde er als “Transfer-Bombe” gefeiert. Bei der Spvgg Bayreuth, mit der momentan auf dem dritten Platz der Landesliga Nord steht.

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Stöledings und andere Possen

Könnte man den Fußball nicht immer gleich mit Rückrunden beginnen lassen? So ab dem 25. Spieltag und den diversen Viertelfinalspielen in den europäischen Wettbewerben? Das wäre in jedem Fall deutlich unterhaltsamer als die ersten zwei Drittel der Saison, in der irgendwie noch die fußballpolitische Korrektheit regiert. Da sind erst mal alle noch vom Trainer toooooootal überzeugt, haben alle einen langen Atem und ein nachhaltiges Konzept, wollen ihren eigenen Weg gehen und sich auf gar keinen Fall aus der Ruhe bringen lassen und hier echt so richtig was aufbauen. Die Maske fällt dann immer erst in der Rückrunde, wenn Manager auf so lustige wie verzweifelte Ideen kommen, Michael Skibbe zu verpflichten, um ihn dann nach einigen Spielen mit Otto Rehhagel zu ersetzen (die Geschichte werde ich meinen Enkeln noch erzählen und sie werden erst ungläubig staunen und dann laut lachen). Oder sie verlängern demonstrativ den Vertrag mit ihrem Trainer, entlassen ihn kurz darauf und kaufen einen ein, der noch nie in der Bundesliga trainiert hat und bisher bestenfalls Mördertruppen wie den FC Zürich trainiert hat. Verdienter Lohn sind dann null Punkte und null Tore aus zwei Spielen und man kommt bei allen privat motivierten Sympathien nicht umhin, einmal laut und dreckig zu lachen. Fußballvereine in Panik sind immer noch für die schönsten Schoten gut,  Köln mit dem Stöledings ist der nächste heiße Kandidat auf eine ordentliche Posse.

Zwei Lerneffekte der letzten Wochen: Erstens ist ein Verein immer nur so gut wie sein Management, frag nach beim 30-Jahre-Hoeneß oder auch bei den Beinahe-Insolvenzverwaltern aus Dortmund. Zweitens: Stark absturzgefährdet sind vor allem jene, die irgendwann vor 20 oder 30 Jahren ihren Ruf als Traditionsmannschaft begründeten, dann den Anschluss verloren, seit Jahren immer mehr dem Abgrund entgegen taumeln und nicht merken, dass sich aus ein paar guten Jahren in den 70ern nicht automatisch der Erfolg ergibt. In Köln haben sie immer noch nicht begriffen , inzwischen eher Kandidat für einen so zweifelhaften Titel wie “Fahrstuhlmannschaft” zu werden, auch die Hertha merkt das nicht. Wobei bei ihr erschwerend hinzukommt, dass sie zudem der Auffassung ist, als Haupstadtclub habe ihr Bundesligaaufenthalt quasi Verfassungsrang. Deswegen leistet sie sich nicht nur originelle Trainer, sondern auch mindestens ebenso lustiges Management, wenn man da Hoeneß, den Erfolglosen, oder seinen Zauberlehrling Preetz denkt.

Das uns dann doch wieder zu den Bayern und zum BvB zurück führt. Wo sie seit Jahren schon ihr Ding machen, tatsächlich unbeirrt, tatsächlich mit richtig gutem und professionellem Management und einem sehr feinen Gefühl dafür, wohin die Trends im Fußball gehen. Mit Genen oder anderem Kram hat das übrigens nicht sehr viel zu tun.

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Rasiert Kloppos Vollbart, löst Wolfsburg auf!

Bevor wir hier über Fußball reden, müssen wir über Eishockey reden (nein, bitte nicht gleich wieder wegblicken, ich mache es kurz).  Irgendwelche merkwürdigen Zufälle wollten es, dass ich als Geburtsort Straubing im Pass stehen habe. Seitdem fühle ich mich irgendwie auch als Straubinger, obwohl ich mit der Stadt jetzt nicht so rasend viel zu tun habe, als dass ich Straubing als meine Heimatstadt bezeichnen würde. Aber natürlich habe ich Sympathien für meine Geburtsstadt. Und weil ich, wie die regelmäßigen Leser vielleicht wissen, auch eine gewisse Neigung zu Underdogs habe, passt das für mich aktuell perfekt zusammen: Ein Underdog aus Straubing mischt die DEL auf, ist das nicht prächtig? Und das noch dazu gegen Wolfsburg, eine Stadt, in der ich noch nie gewesen bin, da auch nie hinmöchte und die mir aus nicht näher bekannten Gründen nicht sehr sympathisch ist. Wolfsburg kann von mir aus sofort seine eigene Auflösung beantragen und es wäre mir im vergangenen Jahr ein Genuss gewesen, den VfL mit seinem Magath (der mir auch nicht sehr sympathisch ist) aus der Bundesliga fliegen zu sehen.

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So, und damit jetzt endlich zum Fußball. Das Thema lebt, seien wir ehrlich, auch zumeist vom Thema Sympathien und Abneigungen. Selbst als fortgeschrittener und interessierter Laie ist man ja nicht wirklich in der Lage,  die Arbeit oder von Trainern oder die Leistungen von Spielern ernsthaft einzuschätzen. Es ist mehr so ein Gefühl, das einem sagt: mag ich. Oder mag ich nicht. Ich mag beispielsweise Sechzig, weil ich Underdogs gerne mag, siehe Straubing. Trotzdem bin ich nicht in der Lage, eine echte Abneigung gegen die Bayern zu entwickeln, die respektiere ich eher und benutze sie als Mittel zum Zweck. Als Bayern beispielsweise gegen Basel gespielt hat, habe ich inständig auf die Bayern gehofft, weil ich zum einen München als Stadt mindestens genauso mag wie Straubing. Und weil ich mich von meinen vielen Schweizer Freunden nicht vier Wochen lang blöd anreden lassen wollte. Die wieder hatten übrigens keinerlei Problem, sich geschlossen hinter Basel zu stellen, selbst wenn sie große Anhänger des FC Zürich sind. Das Verhältnis Basel und Zürich ist ansonsten übrigens ungefähr so freundschaftlich wie zwischen Pyromanen und Feuerwehrleuten. Und ich hoffe, dass Bayern dem BvB im Pokalfinale ordentlich eine verpasst. Nicht, weil ich nicht gewisse Grundsympathien für den Kloppo und den BvB hätte, wesentlich mehr als für Schalke in jedem Fall.  Aber der BvB hat am Dienstag mit größtmöglicher Heimtücke und größtmöglichem Bayerndusel einen Underdog aus dem Pokal geschmissen. Jetzt sollen sie leiden. Ich meine, hätte Dortmund 3:0 gewonnen und Fürth richtig vorgeführt, ok, nix dagegen. Aber so ein lucky punch in der Nachspielzeit der Verlängerung, das geht einfach nicht. Deshalb die goldene Regel: Der Underdog hat immer Vorrang, weil Underdogs die schönsten Geschichten erzählen. Mit viel Geld viele Spieler einkaufen ist zwar auf die Dauer meistens erfolgreicher, aber nicht halb so spannend.

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Das mit den Sympathien und den Emotionen zeigt sich ja eh sehr schön beim BvB, wo sie immer noch glauben, das sei so ein richtig aufrichtiger und ehrlicher Verein, bei dem Geld keine echte Rolle spielt und Spiele immer ohne Dusel gewonnen werden (das Dusel haben bekanntlich immer die Bayern, nach denen es benannt wurde). Wenn Dortmund in der allerallerletzten Sekunde 1:0 gewinnt, ist das Kampfgeist und verdienter Lohn fürs nicht-aufgeben. Gewinnt Bayern kurz vor knapp, ist es einfach nur Dusel.

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Auf der anderen Seite, nur so geht´s, weil Fußball, Grüß Gott Herr Rummenigge, ja keine Mathematik ist. Der Reiz der Liga entsteht erst dadurch, dass man Wolfsburg nicht mag (sorry, liebe Wolfsburger), bei der Erwähnung des Namens Hoffenheim ein Gähnen kaum unterdrücken kann und bei Schalke inständig hofft, sie mögen dort auch in den kommenden 54 Jahren ohne Titel bleiben. So, wie man ja auch weiß, dass man nur in Berlin auf die Idee kommen kann, sich Otto Rehhagel als Trainer zu holen. Oder Leverkusen dazu da ist, die Lücken zwischen den Plätzen 4 und 10 zu füllen. Irgendjemand muss es ja machen.

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Aber nochmal zurück zu den Tigers aus Straubing: Natürlich dürfen die auf gar keinen Fall Meister werden, sonst wären sie ja kein Underdog mehr. Die Daseinsberechtigung des Underdogs besteht darin, am Ende kunstvoll, grauenvoll, grandios zu scheitern. Das macht ihn ja erst so richtig sympathisch. Insofern müsste ich nach Straubing und Giesing irgendwann demnächst mal Fürth einen Besuch abstatten. Aber nur, wenn sie dieses Jahr wieder Vierter werden.

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