Bevor wir hier über Fußball reden, müssen wir über Eishockey reden (nein, bitte nicht gleich wieder wegblicken, ich mache es kurz). Irgendwelche merkwürdigen Zufälle wollten es, dass ich als Geburtsort Straubing im Pass stehen habe. Seitdem fühle ich mich irgendwie auch als Straubinger, obwohl ich mit der Stadt jetzt nicht so rasend viel zu tun habe, als dass ich Straubing als meine Heimatstadt bezeichnen würde. Aber natürlich habe ich Sympathien für meine Geburtsstadt. Und weil ich, wie die regelmäßigen Leser vielleicht wissen, auch eine gewisse Neigung zu Underdogs habe, passt das für mich aktuell perfekt zusammen: Ein Underdog aus Straubing mischt die DEL auf, ist das nicht prächtig? Und das noch dazu gegen Wolfsburg, eine Stadt, in der ich noch nie gewesen bin, da auch nie hinmöchte und die mir aus nicht näher bekannten Gründen nicht sehr sympathisch ist. Wolfsburg kann von mir aus sofort seine eigene Auflösung beantragen und es wäre mir im vergangenen Jahr ein Genuss gewesen, den VfL mit seinem Magath (der mir auch nicht sehr sympathisch ist) aus der Bundesliga fliegen zu sehen.
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So, und damit jetzt endlich zum Fußball. Das Thema lebt, seien wir ehrlich, auch zumeist vom Thema Sympathien und Abneigungen. Selbst als fortgeschrittener und interessierter Laie ist man ja nicht wirklich in der Lage, die Arbeit oder von Trainern oder die Leistungen von Spielern ernsthaft einzuschätzen. Es ist mehr so ein Gefühl, das einem sagt: mag ich. Oder mag ich nicht. Ich mag beispielsweise Sechzig, weil ich Underdogs gerne mag, siehe Straubing. Trotzdem bin ich nicht in der Lage, eine echte Abneigung gegen die Bayern zu entwickeln, die respektiere ich eher und benutze sie als Mittel zum Zweck. Als Bayern beispielsweise gegen Basel gespielt hat, habe ich inständig auf die Bayern gehofft, weil ich zum einen München als Stadt mindestens genauso mag wie Straubing. Und weil ich mich von meinen vielen Schweizer Freunden nicht vier Wochen lang blöd anreden lassen wollte. Die wieder hatten übrigens keinerlei Problem, sich geschlossen hinter Basel zu stellen, selbst wenn sie große Anhänger des FC Zürich sind. Das Verhältnis Basel und Zürich ist ansonsten übrigens ungefähr so freundschaftlich wie zwischen Pyromanen und Feuerwehrleuten. Und ich hoffe, dass Bayern dem BvB im Pokalfinale ordentlich eine verpasst. Nicht, weil ich nicht gewisse Grundsympathien für den Kloppo und den BvB hätte, wesentlich mehr als für Schalke in jedem Fall. Aber der BvB hat am Dienstag mit größtmöglicher Heimtücke und größtmöglichem Bayerndusel einen Underdog aus dem Pokal geschmissen. Jetzt sollen sie leiden. Ich meine, hätte Dortmund 3:0 gewonnen und Fürth richtig vorgeführt, ok, nix dagegen. Aber so ein lucky punch in der Nachspielzeit der Verlängerung, das geht einfach nicht. Deshalb die goldene Regel: Der Underdog hat immer Vorrang, weil Underdogs die schönsten Geschichten erzählen. Mit viel Geld viele Spieler einkaufen ist zwar auf die Dauer meistens erfolgreicher, aber nicht halb so spannend.
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Das mit den Sympathien und den Emotionen zeigt sich ja eh sehr schön beim BvB, wo sie immer noch glauben, das sei so ein richtig aufrichtiger und ehrlicher Verein, bei dem Geld keine echte Rolle spielt und Spiele immer ohne Dusel gewonnen werden (das Dusel haben bekanntlich immer die Bayern, nach denen es benannt wurde). Wenn Dortmund in der allerallerletzten Sekunde 1:0 gewinnt, ist das Kampfgeist und verdienter Lohn fürs nicht-aufgeben. Gewinnt Bayern kurz vor knapp, ist es einfach nur Dusel.
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Auf der anderen Seite, nur so geht´s, weil Fußball, Grüß Gott Herr Rummenigge, ja keine Mathematik ist. Der Reiz der Liga entsteht erst dadurch, dass man Wolfsburg nicht mag (sorry, liebe Wolfsburger), bei der Erwähnung des Namens Hoffenheim ein Gähnen kaum unterdrücken kann und bei Schalke inständig hofft, sie mögen dort auch in den kommenden 54 Jahren ohne Titel bleiben. So, wie man ja auch weiß, dass man nur in Berlin auf die Idee kommen kann, sich Otto Rehhagel als Trainer zu holen. Oder Leverkusen dazu da ist, die Lücken zwischen den Plätzen 4 und 10 zu füllen. Irgendjemand muss es ja machen.
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Aber nochmal zurück zu den Tigers aus Straubing: Natürlich dürfen die auf gar keinen Fall Meister werden, sonst wären sie ja kein Underdog mehr. Die Daseinsberechtigung des Underdogs besteht darin, am Ende kunstvoll, grauenvoll, grandios zu scheitern. Das macht ihn ja erst so richtig sympathisch. Insofern müsste ich nach Straubing und Giesing irgendwann demnächst mal Fürth einen Besuch abstatten. Aber nur, wenn sie dieses Jahr wieder Vierter werden.