Um über den TSV von 1860 etwas halbwegs Sinniges schreiben zu können, müsste man inzwischen mehr von Jura als von Fußball verstehen. Das verführt in diesem Fall eher zum Schweigen, weil ich von Jura noch weniger Ahnung habe als von Fußball, aber Ahnung kann ja auch was anderes bedeuten. In dem Fall: eine Ahnung davon, dass auch aus juristischer Sicht bei den Löwen in den letzten Monaten nicht alles so glatt gelaufen ist, wie man denken und vor allem hoffen konnte. Dass man über Veträge immer auch streiten kann, wird uns vermutlich jeder Jurastudent im zweiten Semester bestätigen, aber trotdzem: Wie geht das, dass bei der “Kooperation” zwischen Scheichi und Sechzig grundlegende Dinge zumindest sehr offen gelassen worden sind? Wieso gibt es eigentlich keinen wie auch immer gearteten Geist dieser Zusammenarbeit? Man mag sich ja durchaus — je nach Sichtweise — über den einen oder anderen Protagonisten des neuesten Dramas echauffieren. Sicher aber ist, dass jeder für sich zunächst recht hat.
Das klingt erst mal bizarr, ist aber in diesem Fall verständlich. Weil das immer so ist, wenn Verträge nicht eindeutig in ihrer Intention sind. Die Sichtweise der Sechzger ist: Da ist so ein netter Herr aus Irgendwo, der hat zuviel Geld, weswegen er das jetzt für so hübsche Spielzeuge wie einen Fußballverein ausgeben kann. Scheichi wiederum entpuppt sich jetzt gar nicht drollig, wie das Babyface und das kleine gemütliche Bäuchlein vermuten lassen würden. Obwohl, irgendwie hätte man das ja ahnen können, dass ein 34jähriger Multimillionär nicht deswegen Multimillionär ist, weil er sein Geld und seine Zeit aus purer Hilfsbereitschaft in notleidende Vereine investiert.
Was also momentan passiert, sind keine Debatten um irgendwelche Finanzamtsgeschichten oder nicht ganz geklärte Besitzverhältnissen zwischen den Beteiligten. Es ist nicht mehr als der Endkampf um die Löwen. Ismaik und Freunde sehen Sechzig als ein Investmentobjekt und wollen das auch genauso behandeln. Für den Verein und viele seiner Anhänger ist genau das der größtmögliche Alptraum. Beides zusammen wird nicht gehen. Eine von beiden Seiten wird spätestens im Sommer als der größtmögliche Verlierer da stehen.

Kann man es dem Investor wirklich verübeln, wenn er angesichts der hohen Summen, die er investieren will (muss), auch darauf Einfluss nehmen will, wie die Gelder verwendet werden? Und dass er an 60 auch verdienen (oder sein Geld zumindest nicht komplett verlieren) will? Fest steht, dass bei 60 immer noch die gleichen Herren mit im Boot sind (Maget, Hauner, Steiner), die seit Jahren bewiesen haben, dass sie nichts, aber auch gar nichts zustande bringen, um den Verein wieder nach vorn zu bringen. Und immer noch nicken die Delegierten jedes Präsidium fleißig ab, das ihnen bei der Delegiertenversammlung Freibier und Leberkässemmeln hinstellt. Und alle, die bei 60 immer wieder vor dem Größenwahn gewarnt hatten (ging im Prinzip schon mit dem Umzug ins Olympiastadion an, der gemeinsame Bau der Arena war ja nur der Höhepunkt der negativen Entwicklung), wurden immer wieder als Ewiggestrige verunglimpft, die mit der heutigen Zeit einfach nicht mehr mitkämen. Ein Arge-Löwe hat mal getönt: “Bayern ist der einziger Top-Verein der Welt, der sich sein Stadion mit dem Lokalrivalen teilen muss.” Ich würde eher sagen: Die Roten sind die einzigen, die einen Dummen gefunden haben, der ihnen im Lauf der Jahre mit einer dreistelligen (!!!) Millionensumme hilft, ihr Ding abzubezahlen – ohne dass den Löwen hinterher auch nur eine Glühbirne dort gehört.
Die ganzen Jahre über, wenn man das angebracht hat, wurde man von den “wahren Löwen” nur verlacht und zum Teil sogar richtig beleidigt und bedroht. Die Vereinsführung hat sich nur diesem Teil der Fans zugewandt – siehe Mauschelei mit der ARGE-Führung kurz vor der jüngsten Versammlung. Und nun soll ich mich mit diesen Leuten solidarisch erklären? Na, aber wirklich ned. Der “Scheich” hat meine vollsten Sympathien – jetzt merken diese Leute mal, wie es ist, wenn man einen Fußtritt in den Allerwertesten nach dem anderen bekommt.