Wollen wir mal ein bisschen undenkbare Dinge denken, ja? Stellen wir uns also mal für einen Moment vor, die Kollegen von “Spiegel Online” behielten recht und es würde tatsächlich nicht der FC Bayern, sondern nur Borussia Dortmund Meister. Das wäre zum einen natürlich für den deutschen Fußball international gesehen eine Katastrophe, weil wir in der Champions League mal wieder nix reißen würden und sogar Engländer über uns lachen dürften. Zum anderen müssten sie aber auch beim FC Bayern über ein paar Dinge nachdenken. Bisher galt in den vergangenen Jahren ja das erste Hoeneßsche Gesetz: Wenn der FCB mal nicht Meister wird, hat man einen Fehlgriff beim Trainer getan. Das ist bedauerlich, gehört aber zu den Missgriffen, die selbst ein FC Bayern mal macht. Ansonsten aber gilt das zweite Hoeneßsche Gesetz: Der FC Bayern ist der FC Bayern ist der FC Bayern und danach kommt erst mal lange nix. Ob Magath, Klinsmann, van Gaal, am Ende mussten sich alle noch unfreundliche Worte aus München anhören, die bestenfalls halb versöhnlich wurden im Sinne von “ein vollkommener Trottel war er ja auch nicht…”. Generell aber wurde die Manöverkritik gerne mit dem dritten Hoeneßschen Gesetz beendet: Mit dem Jupp war alles besser, das gibt´s nur einmal, das kommt nie wieder. Nun ist es aber so, dass es, besser: er, doch wieder gekommen ist. Damit würde sich aber im Falle des Undenkbaren zumindest das dritte Hoeneßsche Gesetz schwer relativieren, weil wenn es der Jupp nicht schafft mit der Meisterschaft, wer dann? Und anzukündigen, man hätte sich nie vom Jürgen trennen dürfen und ihn zurückholen zu wollen, nein, das macht nicht mal der Firlefanz, der ansonsten mühelos in der Lage ist, sich selbst innerhalb eines Halbsatzes dreimal zu korrigieren. Franz, die lebende Relativitätstheorie. Man müsste also dann doch mal überlegen, ob das zweite Hoeneßsche Gesetz von der ewigen und naturgegebenen Dauerüberlegenheit der Bayern nicht ebenfalls überdacht werden müsste. Das könnte daran liegen, dass wenigstens mit den Dortmundern ein ernsthafter dauerhafter Rivale erwachsen ist und auch Schalke gefährlich ist, solange der Trainer dort Stevens und nicht Magath heißt. Warum man das denken muss? Weil es zum ersten Mal seit gefühlten Jahrhunderten keinen Grund gibt, den man als Erklärung für einen Vizemeistertitel (oder noch schlimmer: Dritter! Vierter!) verwenden könnte. Der Trainer ist der, von dem sie seit 20 Jahren behaupten, er sei der einzig wahre. Der Kader ist luxuriös besetzt, das Torwartproblem ist gelöst, außer es geht gegen Gladbach. Verletzungsmisere? Nicht wirklich. Ausfälle? Breno war schon immer einer, ansonsten spielen die allermeisten das, was man von ihnen erwarten darf, manche sogar deutlich besser. Trotzdem haben die Bayern schon so viele Niederlagen wie Hannover auf dem Konto, zwei alleine gegen Gladbach. Was zum einen zeigt, dass aus Gladbach in dieser Saison ein ernsthafter Konkurrent geworden ist. Und zum anderen, dass die Liga vorne so zusammengerückt ist, dass es vorläufig keine Bayern-Durchmärsche gibt. Was schön wäre, weil es der Liga und dem deutschen Fußball immer gut getan hat, wenn es vorne dauerhafte echte Duelle gibt, man denke alleine an die Zeit in den 70ern, als mit Bayern und Gladbach immer mindestens zwei Mannschaften so stark waren, dass sie als Titelkandidaten in Frage kamen. Blöd nur für den FCB, wenn man alle NaturHoeneßgesetze nochmal überdenken muss.
Wollen wir nochmal was Undenkbares denken? Nämlich, dass die Hertha halbwegs gut durch die Hinrunde geschippert ist und man nicht zwingend auf die Idee kommt, sie als Abstiegskandidat zu betrachten. Aber dass dann der Mann kommt, der letztes Jahr nach einer soliden Hinrunde die Frankfurter Eintracht versenkt hat und dann in einer kongenialen Zusammensetzung zwischen einer Mannschaft, die schon von vor zwei Jahren nie und nimmer hätte absteigen dürfen, und einem Trainer, der letztes Jahr nie und nimmer hätte absteigen dürfen, eine fantastische Mixtur entsteht zu einem Verein, der einen Trainer rausschmeißt und endlich zusammenzubringen, was zusammengehört: einen Abstiegstrainer und eine Abstiegsmannschaft. Ein Anfang gegen Nürnberg wurde gemacht. Wenn es so käme, man müsste vermutlich auch über die fußballerische Naturgesetzgebung der Hauptstadt neu nachdenken.