Jogi ist immer der Loser

Ein paar Sachen muss man ja nun doch mal festhalten in Bezug auf die deutsche Mannschaft:

1. Der Trainer. Jogi Löw hat bisher noch keinen Titel geholt und hat sich in den entscheidenden Momenten auch gerne mal vercoacht (Italien! Balotelli!). Daneben hat Löw einen fatalen Hang zur Schönspielerei, verzichtet auf echte Stürmer und lässt Startaufstellungen fragwürdigen Charakters (ohne Stürmer!) auf den Platz gehen.

2. Die Mannschaft: Eine goldene Generation, gewiss. Aber eine unvollendete, die immer dann, wenn es um die ganz großen Titel geht, an sich selbst scheitert. Weil sie keine echten Führungsspieler hat, weil ihr die Effenbergs und Matthäus´einfach fehlen. Die Drecksäcke, die einfach mal jemanden weggrätschen, wenn es denn sein muss.

3. Reus: Nicht dabei. Ohne den geht es aber nicht.

4. Diese Abwehr. Diese Abwehr!

Falls Ihnen diese Zeilen jetzt gerade etwas absurd vorkommen angesichts eines 4:0 gegen Portugal – sie sind es. Und auch wieder nicht. Weil sie zugespitzt das wiedergeben, was wir in den letzten Wochen vor dem WM-Start gelesen haben. Was sich dann darin wiederspiegelte, dass am Ende eine ganz große Mehrheit sicher war, dass diese Mannschaft den Titel in Brasilien auf überhaupt gar keinen Fall holen könne. Spannend wäre es, diese Frage jetzt nochmal zu stellen, vermutlich käme man auf umgekehrte Werte.

Dabei muss man ja nicht so weit gehen, Deutschland jetzt für den Favoriten schlechthin zu halten. Aber vielleicht hilft es ja in der Beurteilung dieser goldenen Generation und dieses Trainers ein paar Details hervorzukramen. Zum Beispiel die Zahl 4. Vier Tore hat diese Mannschaft in sehr wichtigen Turnierspielen jeweils geschossen gegen: England, Argentinien, Portugal. So viel zum Thema “Versagen in großen Spielen”. Oder die Zahl 8. Acht Tore hat Thomas Müller inzwischen bei seinen WM-Turnieren geschossen. In sieben Spielen. So viel zum Thema “Wir haben ja keinen Sturm”. Oder auch die Zahl 3. Eine schlechtere Platzierung als den 3.Platz hat Deutschland seit dem Jahr 2006 in keinem großen Turnier mehr gehabt. So viel zum Vergleich zu den Rumpeljahren, als in den EM-Vorrunden 2000 und 2004 jeweils Schluss war.

Deshalb also bitte langsam bei Bewertungen in beide Richtungen.  Die Nationalmannschaft hat in den vergangenen acht Jahren einen Aufschwung erlebt, wie man ihn noch 2005 kaum für möglich gehalten hätte. Sie hat nicht nur erfolgreichen, sondern in den allermeisten Fällen höchst attraktiven Fußball gespielt und es waren nicht ganz wenige Partien darunter, die mit dem Begriff “Spektakel” besser beschrieben sind.

Man holt deswegen nicht immer gleich Titel. Weil auf diesem Niveau spätestens ab dem Viertelfinale Kleinigkeiten entscheiden. Und weil, das könnte man auch in Deutschland lernen, auch andere sehr passablen Fußball spielen können. In den letzten vier großen Turnieren jeweils an Spanien und Italien gescheitert zu sein, ist kein Ausdruck für die Unfähigkeit der eigenen Truppe.

Es wird auch in diesem Turnier schwächere Spiele geben. Womöglich sogar noch in der Vorrunde. Und danach warten sie dann wieder: Argentinien, die famosen Holländer, die immer noch nicht zu unterschätzenden Spanier, Brasilien. Und ja, natürlich, Italien. Balotelli! Daran wird  hängen, wie weit Deutschland kommt oder ob es womöglich doch sogar für den Titel reicht. An der Beurteilung des Trainers Löw und dieser Mannschaft ändert sich allerdings nichts. Oder besser: sollte es zumindest nicht.

Und noch ein letztes: in meinem Facebook-Freundeskreis habe ich heute etwas Schönes gelesen über Crux des Übungsleiters. Wenn Deutschland verliere, hieß es da, dann sei es die Schuld von Löw. Gewinne man, dann war es Müller.

Veröffentlicht unter Jogis Jungs | Verschlagwortet mit , , , | Kommentare deaktiviert

Die deutsche Lust an der Fußball-Panik

Am Rande bemerkt: Mal angenommen, unsere letzten beiden Testgegner vor der WM wären Irland und Luxemburg gewesen. Und mal weiter angenommen, wir hätten, sagen wir, gegen Irland 0:0 und gegen Luxemburg dann sage und schreibe nur noch 1:1 gespielt (gegen LUXEMBURG!) Was wäre dann bei uns los? Würde man Jogi noch vor der WM seines Amtes entheben und durch Lothar Matthäus ersetzen? Würde die BILD zu einer landesweiten Protestaktion aufrufen? Lebenslanges Einreiseverbot in die Heimat für versagende Nationalspieler?

Letzteres ist unrealistisch, die Ausgangslage jedoch ist höchst real: Italien, wie immer einer der Favoriten der WM, hat gegen Irland 0:0 und gegen LUXEMBURG 1:1 gespielt. Nicht irgendwann, sondern jetzt, in den letzten Tagen. Natürlich könnte man jetzt mit gutem Recht sagen: Waren ja nur Testspiele. Nach einem Trainingslager. Spiele, in denen man auch nochmal was ausprobiert. Und überhaupt gibt es eigentlich irgendeine Mannschaft der Welt, die zwei Wochen vor dem Turnier topfit ist? Oder wäre es womöglich nicht wichtiger, während des Turniers gut drauf zu sein? Auf den Punkt trainieren nennt man das.

Deutschland hat gegen das ungleich stärkere Kamerun ein passables 2:2 hingebracht. Einhelliger Tenor war danach trotzdem: So wird das nie was, laut neuen Umfragen glauben 75 Prozent der Deutschen nicht an einen Titelgewinn in Brasilien.

Am Freitag geht es dann nochmal zum letzten Test gegen einen Gegner aus der Kategorie B. Aber man darf sich sicher sein: Gewinnen Jogis Jungs nicht gerade mit 7:0 gegen Armenien, die öffentliche Erregung und de miesepetrige Stimmung werden sich steigern. Entspannt bleiben gehört anscheinend nicht zu den größten Tugenden der deutschen Fußball-Öffentlichkeit – eher schon: Die Lust an der Hysterie.

Veröffentlicht unter Jogis Jungs | Kommentare deaktiviert

Warum die WM ein Riesen-Spaß wird

Der Tribünenblogger hat ja eine leise Ahnung, was ab beute Abend wieder gesprochen wird: Da hat der Bundes-Jogi aber noch eine Menge Baustellen. Die ganzen Verletzten, nur ein 2:2 gegen Kamerun – und dann die Abwehr, diese Abwehr! Das! ist! nicht! titelreif!

Und es ist – typisch deutsch!

Halten wir also mal ganz neutral fest: Dafür, das nicht ganz unwichtige Menschen wie Neuer, Lahm, Schweinsteiger gefehlt haben, ein Khedira gerade mal sein erstes Spiel über 90 Minuten nach mehreren Monaten gemacht hat, dafür, dass ein echter Neuling in der Abwehr stand und Kamerun gezeigt hat, dass die da echt gut Fußball spielen können, war das eine ziemlich ordentliche Sache. Dass die Deutschen vorne potenziell stärker sind als hinten, das ist jetzt wirklich keine neue Erkenntnis mehr und das wird sich auch bis zur WM nicht mehr ändern. Und die Fragen nach der individuellen Stärke des jeweiligen Personals, die gibt es vor jedem Turnier. Erinnert sich noch jemand an 2010, als nach dem Ausfall von Ballack für viele Beobachter feststand, dass es sich damit erledigt hat mit den Chancen der Mannschaft? Es wird nie ein Turnier geben, vor dem alle 23 Mann des Kaders in Paradeform sind.

Was aber kann man mitnehmen? Um die Offensive muss man sich keine Sorgen machen, egal wer spielt. Um den Torwart auch nicht (Weidenfeller ist die stärkste Nummer 2 seit langem), aber das musste man in Deutschland ja noch nie. Oder anders gesagt: Wenn wir nicht Weltmeister werden, wird es vermutlich als allerletztes an der Torwartposition liegen.

Und die Abwehr? Auf Lahm wird man da nicht verzichten können, der Rest wird gegen echte Topteams erwartungsgemäß noch am ehesten auf Probleme stoßen.

Trotzdem: Das Spiel hat überwiegend Spaß gemacht, vor allem, nachdem man in den vergangenen Wochen beim Betrachten der öffentlichen Meinung den Eindruck gewinnen konnte, dass es sich bei der Nationalelf um eine Ansammlung von Fußlahmen handelt. Oder um Malta-Füße, wie es der Herr Völler ausdrückte.

Tatsächlich aber ist sich der Tribünenblogger sicher: Es wird eine geile WM.  Ein Riesenspaß. Und für den Fall, dass wir in sechs Wochen nicht Weltmeister sein sollte, eines hat man gegen Kamerun gesehen: Andere können auch Fußball spielen. Richtig gut sogar.

Veröffentlicht unter Jogis Jungs | Kommentare deaktiviert

Spanische Real-Lektionen

Die Saison ist vorbei. Nein, eigentlich ist sie das nicht, wir befinden uns nur in so einer Art komischer Übergang. Über die Bundesliga redet man kaum mehr, weil jetzt die Zeit der Trainingslager und der Übungsspielchen gegen nicht weiter wichtige Mannschaften ist. Kurz gesagt: Vorbereitungszeit zur WM…

Trotzdem muss man noch ein paar Sätze zur Saison bzw. zur zurückliegenden Relegation loswerden. Beispielsweise darüber, dass noch vor kurzem halb Deutschland den baldigen Untergang des Imperiums FC Bayern vorhergesagt hat; mindestens aber den umgehenden Sturz des gewesenen Fußball-Heiligen Pep Guardiola. Dazu hat eine einzige saftige Schlappe ausgereicht. Gegen, wie man heute weiß, den späteren Champions-League-Sieger aus Madrid. Das sagt, obwohl die Schlappe wirklich heftig war, weniger über den FC Bayern, als über das Gewicht der Bundesliga innerhalb Europas aus. Denn tatsächlich schoss Real gegen die drei Erstplatzierten der Liga sage und schreibe 17 Tore und hatte vergleichweise wenig Mühe, nacheinander Schalke, Dortmund und eben den FC Bayern aus dem Wettbewerb zu kegeln. Wenn man sich dann noch klar macht, dass es in der Champions League ein rein spanisches Finale gab und auch in der Europa League der Sieger aus Spanien kam, dann wird schnell eines deutlich: Das deutsche Finale 2013 war eine Momentaufnahme, tatsächlich liegt Spanien immer noch deutlich vor der Bundesliga. Und vermutlich wäre es keine schlechte Idee, sich diese Tatsache vor Augen zu führen, ehe man Jogi Löw und seine Jungs zerlegt, falls sie nicht als Weltmeister aus Brasilien zurück kommen. Der spanische Fußball (einschließlich seiner Trainer) dominiert die Landschaft und er ist inzwischen mehr als Tiki-Taka. Er kann variabler Umschaltfußball sein wie jener, der Real zu „La Deciema“ geführt hat. Er kann brachialer, körperbetonter Konterfußball sein, mit dem Atletico Meister und CL-Finalist wurde. Und nein, bevor es jemand vermutet: Tiki-Taka ist nicht tot. Diese diversen Varianten und die unbedingte Wettbewerbstauglichkeit fehlen möglicherweise dem deutschen Fußball noch. Nur mit ein paar feinen Füßen reicht es in Europa und der Welt noch nicht. Bayern, der BVB und Schalke wissen das nach 17 Gegentoren gegen Real nur zu gut.

Nur zu gut, weil wir gerade am bilanzieren sind, weiß man auch anderes: Die Relegation in den Bundesligen ist Mist, um es mal mit Franz Müntefering zu sagen. Wenn eine Mannschaft wie der HSV nach null Punkten in den letzten fünf Spielen und sieglos in der Relegation dennoch in der Liga bleibt, dann sind Sinn und Zweck von Relegationen konterkariert. Der HSV ist zumindest im kommenden Jahr der unverdienteste Bundesligist aller Zeiten.

Natürlich, man kann jetzt auf dieses sagenhafte Darmstadt-Spiel in der Relegation zur 2. Liga verweisen. Trotzdem: Darmstadt wäre auch ohne Relegation als Dritter aufgestiegen, es wäre der verdiente Lohn einer grandiosen Saison gewesen. Und Bielefeld? Niemand hätte behauten können, der Abstieg sei unverdient gewesen. Trotzdem muss man sich das mal vorstellen: Hätte Bielefeld nicht in der letzten Minute den Pfosten getroffen, sondern den Ball irgendwie im Tor untergebracht – die gradiosen Darmstädter müssten weiter in Liga 3 kicken, während Arminia auch noch für eine ausgesprochen mäßige Saison belohnt worden wäre. Weg also mit der Relegation!

Jetzt aber erstmal: WM! Der Jogi erlebt ihn erstmal nur ohne Führerschein. Ob er nach dem Turnier mehr los ist als nur den Führerschein, wird ganz wesentlich davon abhängen, ob seine Jungs es diesmal schaffen, nicht nur schön zu spielen. Sondern auch: so abgezockt sein, wie es die Spanier schon seit etlichen Jahren sind. Bayern und Dortmunder, das Gerüst der Nationalmannschaft, können dann zeigen, ob sie ihre Real-Lektionen in diesem Jahr gelernt haben.

Veröffentlicht unter Jogis Jungs | Kommentare deaktiviert

Die Fußball-Kritiker: Alles Schlampen, außer ich

Am Dienstag hat es ein Spiel der Superlative gegeben: so viele Neulinge wie seit gefühlten 100 Jahren nicht mehr, mit 21 Komma irgendwas der vermutlich jüngste Schnitt aller Zeiten und dazu noch das erste Spiel, in dem sich eine Nationalmannschaft Nationalmannschaft nannte, obwohl sie gar keine Nationalmannschaft war. Das mehr oder weniger muntere Spielchen der Nationalmannschafts-Attrappe gegen Polen endete mit dem einzig konsequenten Ergebnis von 0:0. Und damit hätte es auch wieder gut sein können. Ist es aber nicht. Nicht in Deutschland und schon gleich gar nicht in Fußball-Deutschland. Weil wir momentan kurz vor einer WM stehen und dort immer die folgenden Mechanismen greifen:

1. Irgendjemand Mittelprominentes sagt, dass wir eh nicht Weltmeister werden können. Er wird daraufhin in der “Bild” prominent platziert (Boateng) oder zu Markus Lanz eingeladen (Thomas Berthold).

2. Irgendein Testspielchen läuft, wie Testspielchen eben laufen. Man verliert es, man spielt unentschieden oder man gewinnt es knapp. Die Öffentlichkeit nimmt jedes dieser Ergebnisse als Beleg dafür, dass die WM dieses Jahr sicher schief geht.

3. Kurz vor Turnierbeginn wird in der Öffentlichkeit der Trainer in Frage gestellt.

4. Nach dem ersten Gruppenspiel sind 78 Prozent der Deutschen sicher, dass wir ins Finale kommen.

Nachdem wir nun gerade Punkt 2 hinter uns gebracht haben, müssen wir noch ergänzen, dass rund 98 Prozent der deutschen Männer spätestens vier Wochen zu Bundestrainern und Medienexperten werden. Als solche stellen sie zunächst fest, dass der Trainer einen völlig falschen Kader zusammengestellt und restlos unverständliche Nominierungen getätigt hat. Sie sind wahlweise auf die Inkompetenz des Trainers, seinen Wohnort, den Druck der Medien oder auf das schlechte Wetter zurückzuführen. Als Medienexperten stellen sie zudem fest, dass die Sportredaktionen dieses Landes allesamt keine Ahnung haben. Das liegt an deren Inkompetenz, an deren Standort, an der Inkompetenz des Bundestrainers und am schlechten Wetter. Außerdem gibt es in diesem Land einen dramatischen Notstand an geeigneten TV-Kommentatoren. Das liegt an deren…lassen wir das.

Deutschland vier Wochen vor einer WM ist jedenfalls kein sehr heimeliger Ort. Kein Land, in dem man sich wohl fühlt. Es ist ein Land der latenten Hysterie, ein Land der Bundestrainer in kurzen Hosen und im Unterhemd, ein Land, in dem einfach nix mehr vorwärtsgeht.

Kurz gesagt: Vermutlich müsste man das Land einfach zusperren und seine Fußballer vorher als Balljungen in die 2. armenische Liga strafversetzen.

Veröffentlicht unter Jogis Jungs | 1 Kommentar