BSV 1860

War ja klar: Es hätte eine so tolle Fußballwoche sein können. Dann kamen die Löwen und inszenierten mal wieder eine ihrer bizarren Shows, deren wichtigstes Wesensmerkmal es immer ist, dass sie noch ein kleines bisschen bizarrer sind, als man sich das selbst als Berufsdefätist vorstellen kann. Diesmal im Programm: ein de facto gestürzter Präsident, eine Debatte, bei der die Medien ausgesperrt werden und trotzdem mühelos alles mithören können, ein wirrer Brief eines seltsamen Jordaniers – und man hat jetzt wieder viele gute Gründe, als Außenstehender den Blauen alles vor die Füße zu werfen, verbunden mit wilden Flüchen und dem Mitgliederantrag beim FC Bayern in der Tasche. Man muss nicht unbedingt weiter leiden mit dem BSV (Bizarren Sportverein) 1860.

Es ist aber auch zum Verzweifeln: Unter normalen Umständen ist ja ein Votum gegen jemanden auch immer irgendwie ein Votum für jemand anderen. 1860 wäre allerdings nicht 1860, wenn es nicht anders wäre. Sofern sich also der Herr Ismaik gerade freuen sollte, er freut sich zu früh: Das Votum gegen Monatzeder war keineswegs eines für Ismaik. Was auch kaum möglich wäre angesichts seines neuesten befremdlichen Auftritts, nach dem er sich jetzt als das Opfer einer “perfekten Verschwörung” sieht. Für den notleidenden Fan bedeutet der Donnerstag abend mal wieder eine Bestätigung dessen, was er eh schon lange geahnt hat: Die Wahl ist irgendwie zwischen Pest und Cholera. Man kann ja Ismaik in vielen Punkten, die er kritisiert, gar nicht widersprechen. Aber ausrangierte Ex-Nationaltrainer und zusammengekaufte schnelle, afrikanische Spieler und ein despotisch geführter Verein mit einer sonderbaren jordanischen Clique an der Spitze sind jetzt auch nicht gerade die Perspektiven, über die sich das Löwenherz freuen könnte.

Aber was tun? Selten (und das will bei 1860 etwas heißen) sah die Lage so hoffnungslos aus. Ein Neuanfang, den man nur erreichen könnte, in dem die alten Seilschaften endlich verschwinden, ist beinahe automatisch mit der Ismaik-Machtübernahme verbunden. Würde man Ismaik seine ganzen Kündigungen und Drohungen endlich mal durchgehen lassen und er wäre wieder zurück in Jordanien, es wäre das absehbare Ende der Löwen als Profiverein.

Eine Idee, irgendjemand?

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Die Wachablösung

Es war ja nicht anders zu erwarten: Der echte Bayern-Verächter als solcher findet natürlich noch nach einem 4:0 gegen Barca ein paar Haare in der Suppe. Abseits! Irreguläre Tore! Die Schiris! Und überhaupt, war Messi nicht auch noch krank? Das noch größere Fußball-Wunder wäre es also vermutlich gewesen, wenn sich unisono auch mal die nicht ganz wenigen Gegner des FCB kurz verneigen und sagen würden: Chapeaux, großes Spiel!

Aber sieht man mal davon ab, hat dieses Spiel noch eine andere, bisher kaum beachtete Dimension: Es steht vielleicht noch nicht für einen Wachwechsel, aber zumindest dafür, dass die Bundesliga mit dem spanischen Fußball gleichgezogen hat. Barca war bereits das dritte Team der Primera Divison, das in diesem CL-Jahr gegen eine deutsche Mannschaft ausscheidet (wovon man bei allem Respekt vor Barca wohl ausgehen darf). Rechnet man noch hinzu, dass auch Dortmund gegen Real bisher ungeschlagen geblieben ist und Malaga und Valencia auch nicht gerade Laufkundschaft waren, dann darf man das ruhig als Trend bezeichnen. Zumal, wenn man mal von Dortmunds Last-Minute-Sieg gegen Malaga absieht, das Weiterkommen jedesmal überaus verdient war.

Die Bundesliga, insbesondere Bayern und der BVB, haben enorm viel richtig gemacht in den letzten Jahren, sportlich wie wirtschaftlich. Man muss sich das vor Augen führen: Noch vor wenigen Jahren wurde Bayern von Barca 0:4 abgebürstet, musste die Liga sich gegen Portugal und die Niederlande in der 5-Jahres-Wertung zur Wehr setzen. Und wenn man realistisch war, dann wusste man in der Champions League, dass das Viertelfinale für die meisten schon das Nonplusultra ist.

Heute abend drückt München übrigens selbstverständlich dem BVB die Daumen. Ein Endspiel Bayern-Dortmund in Wembley wäre der beste auch äußerliche Beleg dafür, wie stark die Bundesliga in den letzten Jahren geworden ist.

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Kapitulation eines Tribünenbloggers

Liebe Löwen,

helft mir! Ich würde gerne noch irgendwas über euch schreiben, was

1.) ich sinngemäß im Lauf dieser Saison nicht mindestens zweimal schon geschrieben habe.

2.) weder verzweifelt, noch spöttisch zynisch, noch defätistisch oder sonstwie negativ klingt.

3.) nicht zwangsweise eine Beleidigungsklage nach sich zieht.

4.) ein Schreiben des neuen Anwalts vom Scheichi Herrn Ismaik zur Folge hat, in dem die Rede von Respekt, Diskriminierung, Rassismus und anderen komischen Dingen die Rede ist.

Und jetzt sitze ich hier und dachte mir, ich könnte ja vielleicht, eventuell, womöglich auch über das Thema…ach wisst ihr was? Vergesst es einfach.

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Der BvB, der Entwurf für die Birkenstockmoralisten

Bevor wir mit diesem Text so richtig anfangen, erst mal eine kleine Rätselaufgabe: Kauft vor der Saison den Konkurrenz für hohe zweistellige Millionenbeträge die wichtigsten Spieler weg. Dominiert die Liga nach Belieben und gewinnt zwei Jahre hintereinander die Meisterschaft und dabei einmal sogar das Double. Erreicht das Halbfinale der Champions League auch nach ganz schwacher Leistung und zwei Treffern in der Nachspielzeit, einer davon erzielt in der auch Fachleuten bisher eher unbekannten Konstellation des Vierfach-Abseits. Na, das kann doch nur…richtig, Borussia Dortmund sein.

Aber bevor es jetzt hier zu den beliebten Missverständnissen kommt: Niemand hat vor, eine Mauer zu errichten die Leistung der Borussia zu schmälern, schon gar nicht nach Mittwoch abend. In Dortmund wissen sie spätestens seitdem, was wir in München schon lange verinnerlicht haben: Man muss Spiele auch mal dann machen, wenn es eigentlich ebenso unverdient wie hoffnungslos ist (bei den Bayern hat man das bereits im Mai 1999 gelernt). An die Spitze kommt man eben nicht nur mit Schönspielerei, sondern auch mal mit reingestocherten Abseitstoren. Die möglicherweise größte Leistung des BvB aber ist: dass man bei ihm das alles selbstverständlich toll ist, während beim FC Bayern nie jemand auf die Idee käme, Tore in der 93. Minute als große kämpferische Leistung darzustellen. Das wären dann einfach wieder nur die Dusel-Bayern, die mir ihrem unverschämten Glück und ihren im Lotto gewonnenen Millionen den Fußball ruinieren. Neben der Tatsache also, dass der BvB mit seinem Zweikampf mit den Bayern den Fußball in Deutschland und der Bundesliga in eine neue Dimension gehievt hat, ist der BvB vor allem in einer Hinsicht dem FC Bayern in einer Hinsicht weit überlegen: Er ist die bessere Marketingmaschine.

Also, schauen wir uns erst mal die Fakten an: Borussia Dortmund ist zu einer Wirtschaftsmacht geworden, existiert an der Börse, bezahlt mal eben 17 Millionen für Reus, leistet sich einen ebenso exquisiten wie teuren Kader. Der Abstand zu den üblichen Verfolgern ist enorm groß geworden und zumindest in den kommenden Jahren nicht mal eben so einzuholen. Das fällt vor allem im Vergleich zum Rivalen aus Gelsenkirchen auf, der zwar irgendwie vorne mitspielt, dafür aber mehr Schulden als ein Hund Flöhe hat. Würde man also sagen, der BvB ist so eine Art FC Bayern in klein, wäre das gelogen. Weil der Zusatz “in klein” schlichtweg falsch ist. De facto ist der BvB die einzige Fußballmacht in Deutschland, die sich sowohl sportlich als auch wirtschaftlich mit München messen kann.

Das müsste also bei all den Fußballnostalgikern (Hinweis: Ich bin latent auch einer) sofort Reflexe auslösen. Ein Millionen-Börsen-Unternehmen statt eines ehrlichen Rote-Erde-Nachfolgevereins? Böse, böse, böse! Doch beim BvB, und das muss man erst mal hinbekommen, finden diejenigen, die beim FCB alles schröcklich finden, alles irgendwie irre toll gut.

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Kleiner Zeitsprung, der zur Erklärung möglicherweise wichtig ist: Ich bin irgendwann in den 80ern im Gymnasium rumgelaufen, das war die Zeit, in der es neben entsetzlichen Poppern und öden Punkern auch diese Kategorie Leute gab, die man heute als Gutmenschen bezeichnen würde. Uniformiert mit Latzhosen, Birkenstock und Jutetaschen, moralisch und politisch einwandfrei. Ich bin dann immer bockig geworden, wenn ich das kollektive Nachplappern von Irgendwas mitbekommen habe, zumal das irgendwie alles so wohlfeil ist: Du bist für Frieden? Tja. Wenn du nicht gerade ein Idiot bist, wirst du dich der Forderung nach mehr Weltfrieden kaum verschließen wollen. Ich hatte schon immer eine große Vorliebe für alles, was unkorrekt ist. Und ich hatte immer Sympathien für alle, über die sich alle aufgeregt haben.

Das musste ich jetzt erzählen, um verständlich zu machen, warum ich nicht in Entzückensschreie ausbreche, wenn Jürgen Klopp irgendwas sagt. Doch, der Typ ist witzig, ist eloquent und intelligent, vermutlich sogar ein richtig guter Trainer und jemand, mit dem man vermutlich viel lieber in der Kneipe ein Bier trinkt als mit, sagen wir, Uli Hoeneß. Aber jeder Satz, jede Geste, alles, was Kloppo und sein BvB tun, ist mindestens so kalkuliert wie alles, was die Bayern tun. Die “Pöhler”-Mütze in den Bundesligaspielen, der Zauselbart, Sprüche wie “Die Leute haben sich ein zweites Loch in den Allerwertesten gefreut” – das alles ist der konsequente Gegenentwurf zum FC Bayern, bei dem weder Heynckes noch Guardiola jemals merkwürdige Baseballkäppis tragen würden und Uli Hoeneß nie auf die Idee käme, sich als Kumpel der Fans draußen aufzuspielen.

Man kann sich also über Jürgen Klopp und den BvB nicht aufregen, wenn man alle Sinne beieinander hat. Und genau das regt mich auf. So wie diese Latzhosenträger damals mit ihrem moralischen Absolutheitsanspruch. Klopp macht und sagt immer das Richtige und das langweilt mich zu Tode. Uli Hoeneß hingegen, meine Güte: Wie oft habe ich mich über den schon aufgeregt! Was habe ich über den schon abgekotzt, vor allem dann, wenn er politisch wird und mit irgendwelchen Fußball-Kalendersprüchen wieder mal Deutschland retten will. Uli Hoeneß in politischen Talkshows, da muss ich inzwischen wegschalten, weil es meinem Blutdruck nicht gut tut. Aber wenn dann die andere Hoeneß-Seite kommt, die des caritativen Menschen, der kein Aufhebens um sein Engagement macht, wenn ich Interviews mit Campino lese, der erzählt, er habe einige Ex-Angestellte von Hoeneß unter seinen Freunden und niemand, wirklich niemand lasse sich selbst im größten Suff auch nur ein schlechtes Wort über Hoeneß entlocken, dann habe ich wieder größten Respekt vor ihm und manchmal sogar sowas ähnliches wie Sympathie. Gerade weil es ja für die halbe Welt so leicht ist, Hoeneß und die Bayern nicht mögen zu können.

Dagegen Klopp in einer Talkshow? Wahrscheinlich würde er ganz wahnsinnig viele richtige Sachen sagen, alle würden ihn mögen und am Ende gäbe es eine Umfrage, nach der sich 80 Prozent der deutschen Frauen eine Nacht mit ihm wünschen und der Rest glaubt, er wäre der ideale Bundespräsident. Klopp ist auf dem Weg, eine Art Günther Jauch des deutschen Fußballs zu werden. Den finden auch alle gut und wahrscheinlich könnte ich mich über Klopp in einer Talkshow nicht aufregen, während bei Hoeneß schon seine pure Anwesenheit mein Blut in Wallung bringen würde.

Aber wenn Sie mich fragen: Ich glaube, ich würde lieber mit Uli Hoeneß ein Bier trinken. Wäre spannender. Kloppo würde ich nach einer Stunde auf die Schulter kloppen, mit Hoeneß würde ich mich wahrscheinlich die halbe Nacht fetzen, um ihm um drei Uhr morgens anerkennend auf die Schulter zu klopfen.

Und ich glaube ja, dass diese ganzen Gemütsterroristen von damals, die Latzhosenmonster und Birkenstockmoralisten, heute den Kloppo und den BvB richtig dufte finden. Was letztendlich alles rechtfertigt, jeden nüchtern betrachtet noch so großen Unsinn: Beim BvB ist ein Abseitstor in der 93. Minute große Fußballkultur, beim FC Bayern sind die beiden Gegentore von ManU, damals, 1999, die größtmögliche Gerechtigkeit der Fußballgeschichte.

Aber gut, so funktioniert Fußball, der immer mehr der Glaube an eine Geschichte und an eine gute Marketingstrategie ist und wo man sich dort versammelt, wo man glaubt hinzugehören. Beim BvB sind es die Anständigen und die Guten dieser Welt. Und meine ist immer die andere.

Was kein Lamentieren über den Zustand des Fußballs sein soll, weil schließlich…herrje, wann geht´s heute abend los?

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Sechzigs Ende: “Yes. We need a new Sportchef.”

Vermutlich wird sich Dieter Schneider in irgendeinem stillen Kämmerlein gedacht haben: Gut, dass ich das hinter mir habe. Hep Monatzeder hingegen hat unterdessen jetzt einen Eindruck, was ihm so alles bevorsteht mit dem netten Herrn Ismaik, der Mann, der mit Mitte 30 trotz Vollbarts immer noch ein bisschen nach Babyface aussieht, natürlich aber alles andere als das ist. Der Sechzig-Großinvestor hat dem Verein und seinem designierten Präsidenten am Freitag gezeigt, was seine Erwartungshaltung ist: Das Präsidium soll nicht mehr sein als ein Erfüllungsgehilfe. Ein Feigenblatt, damit wenigstens nach außen und für die DFL nicht sofort der Eindruck entsteht, als wenn sich da jemand einen Verein einfach gekauft hat und fortan sagt, wo es lang geht. Anders kann man es nicht bezeichnen, wenn ein designierter Präsident an die Öffentlichkeit geht verkündet, man werde nicht allzu viel sagen – um dann innerhalb weniger Minuten wie ein kleiner Schuljunge von seinem Investor vorgeführt zu werden. “Yes, we need a new Sportchef”, denglischte Ismaik irgendwann. Und ganz egal, was man von Florian Hinterberger hält – diese Aussage des Investors, offensichtlich nicht abgesprochen und auch nicht zwingend auf Vereinslinie liegend, zeigt sehr deutlich, wie die Zukunft von 1860 aussieht: Ismaik schafft an und wem es nicht passt, der kann nicht nur gehen, der wird sogar gehen.

Was kommt, man muss das leider so befürchten, sind Gestalten, bei denen man Zweifel haben darf, ob sie 1860 sportlich wirklich weiter bringen. Der irgendwie noch verhinderte Eriksson war so ein Beispiel. Dafür kommt jetzt ein ehemaliger Nationaltrainer als Berater für irgendwas, der vor Jahren mit der Aussage für Aufsehen sorgte, er stelle nur Spieler auf, die ordentlich gottesfürchtig sind (man müsste eigentlich ja spätestens an dieser Stelle lachen und sich vorstellen, wie Sechzig mit ein paar Ministranten aus Giesing aufläuft).

Aber natürlich ist die ganze Geschichte nicht mehr zum Lachen. Und es geht auch schon lange nicht mehr um Hinterberger oder Schmidt oder darum, wie man jetzt möglichst nett zum Herrn Ismaik ist. Das Babyface ist längst dabei, 1860 für ein paar Millionen sein wichtigstes Kapital zu nehmen: seine Seele.  Sein ganzes Handeln seit seiner Ankunft zeigt, dass er nicht nur von Fußball wenig versteht. Er hat auch diesen Verein und diese Stadt nie begriffen. Ismaik glaubt, mit ein paar “schnellen afrikanischen Spielern” und Trainern und Beratern, für die es in England den schönen Begriff “has-beens” gibt, könne man sich mal eben in die erste Liga und danach dann konsequent ins internationale Geschäft einkaufen.

Es ist eine ganz besondere Ironie der ganzen Sache, dass man Ismaik einen Blick in die Nachbarschaft empfehlen muss: Beim FC Bayern hat man weder schnelle afrikanische Spieler noch gottesfürchtige Trainer. Dort haben sie Schweinsteiger, Lahm, Müller, Badstuber. Lauter Bayern, im Wortsinne. Bevor jetzt jemand jammert, der Vergleich mit den reichen Bayern sei unlauter: Einfach mal eine Mannschaft zusammenstellen mit Jungs, die noch vor wenigen Jahren bei Sechzig gespielt haben und aus München oder dem Umland stammen. Wenn man die beiden Benders spielen sieht und dann Hassan Ismaik am Freitag gehört hat – einem echten Löwen müssen da eigentlich die Tränen kommen.

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