Die Lage der Liga (14): Der Club bleibt, was er ist

Nachdem die Bundesliga oben de facto ja beendet ist, nur noch schnell ein Dementi, danach müssen wir für den Rest der Saison nicht mehr über den FC Bayern reden: Es stimmt nicht, dass Pep Guardiola für die nächsten Spiele die Nominierung von Manni Schwabl, Michael Rummenigge, Claudia Effenberg und Simone Ballack geplant hat. Auch wenn man davon ausgehen kann, dass dieses Quartett mit etwas mehr Elan ans Werk gehen würde als die Bayern gestern Abend gegen den BVB. Aber gut, wie gesagt, die Saison ist vorbei und sie war supersuper und muss jetzt halt irgendwie zu Ende gespielt werden.

Wenn man sich das vor Augen führt, dann muss einem momentan um den Club aus Nürnberg Angst und Bange werden, mal wieder. Nicht etwa wegen der Leistungen der letzten Wochen, wegen der natürlich auch. Sondern wegen des Gesetzes der Serie. Niemand schafft es so zuverlässig, immer dann danebenzuhauen, wenn es eigentlich keiner erwartet. Man muss vermutlich nicht mal daran erinnern, dass es der Club war, der sowohl als amtierender Meister als auch als aktueller Pokalsieger abgestiegen ist. Dieses Jahr amtiert der Club zwar als gar nichts, aber als Abstiegskandidat hatte man ihn jetzt auch nicht zwingend gehandelt. Zumal sie mit diesem neuen Trainer, der irgendwie so aussieht wie Rod Stewart, auch gar keinen schlechten Fußball gezeigt haben. Jetzt aber haben sie sogar die Braunschweiger im Nacken und alles in allem muss man feststellen, dass alle ihre Punkte ab und an mal holen, nur der Club nicht. Was das in der Konsequenz bedeutet, kann man sich als mathematisch unbegabter Mensch schnell ausrechnen. Und es würde ja auch passen: Da waren jetzt wochenlang die Sportteile voll mit den Schicksalen von Bundesliga-Dinos wie dem HSV oder dem VfB. An den Club, der ja auch irgendwie ein Dino ist, hat mal wieder niemand gedacht.

Dass sie in Stuttgart und Hamburg am Ende der Saison eine noch so glückliche Rettung feiern und in Nürnberg mal wieder alle etwas dumm schauen, ist deshalb ein Szenario, das nach dem gestrigen Samstag mehr als wahrscheinlich geworden ist.

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Zwei schlafende Riesen und andere Grausamkeiten

Der neue Sportchef Gerhard Poschner ist auf etwas gekommen, auf das bei 1860 noch niemand gekommen ist: Der Verein sei ein schlafender Riese (das hat in den letzten 10 Jahren noch jeder gesagt, der neu angekommen ist). Deswegen hat man jetzt laut “Kicker” u.a. Gespräche mit Lothar Matthäus geführt, der ja auch irgendwie ein schlafender Riese. Und man kann sich vorstellen, wie der eine schlafende Riese bei seiner Vorstellung als neuer Trainer sagt, dass er den anderen schlafenden Riesen jetzt mal so richtig zum Leben erwecken wird…

Ich glaub´, mir ist gerade schlecht.

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Der Pott ist nicht Europa

Es gehört inzwischen zum guten Ton im deutschen Fußball, über die hoffnungslose Überlegenheit der Bayern in der Bundesliga zu klagen. Unterschwellig klingt da meistens (wenn man nicht gerade Bayern-Fan ist) der Vorwurf mit: Die machen mit ihrer Wirtschaftskraft alle platt, das ist Wettbewerbsverzerrung. Spätestens seit dem Mittwoch Abend ist allerdings klar: Nicht die Bayern sind zu stark – die anderen sind zu schwach.

Ja, natürlich: Es gibt eine ganze Reihe guter Gründe, warum sich auch der BVB aus der Champions League verabschieden wird. Trotzdem ist der Trend eindeutig: 12:2 unterlag der Ruhrpott in den letzten drei Spielen Real, da gibt es nicht mehr sehr viel zu deuteln. Das ist kein Pech mehr und auch kein unglücklicher Zufall. Das nennt man schlichtweg: Klassenunterschied.

Rechnet man dann noch die Klatschen hinzu, die sich Leverkusen im laufenden Wettbewerb mit peinlicher Regelmäßigkeit eingefangen hat, dann kommt man an der Feststellung nicht vorbei: Das deutsche Finale im vergangenen Mai war nur eine Momentaufnahme, die Bundesliga ist nach wie vor  nicht so stark, als dass sie auch hinter den Bayern eine international konkurrenzfähige Truppe stellen kann. Dafür spricht auch, dass die Liga in der Europa League schon seit Jahren keine wirkliche Rolle mehr spielt. Da ist es egal, ob Gladbach oder Frankfurt oder sonst jemand aus der zweiten Reihe der Liga antritt, die meisten schaffen es nicht mal mehr, in der Europa League zu überwintern.

Nein, es ist nicht der FC Bayern, der alles platt macht. Es ist möglicherweise nicht mal die Liga als solche, der man einen Vorwurf machen kann. Spitzenfußball in Europa, das ist mehr denn je eine Zweiklassengesellschaft. Wer sich auf das Spiel mit den schwindelerregenden Millionensummen nicht einlassen kann oder will, der wird in diesem Kreis der elitären acht Mannschaften über kurz oder lang nicht mitspielen können. Dafür ist der BVB das beste Beispiel. Vom Finalteilnehmer zum chancenlosen Viertelfinalisten in knapp einem Jahr.

Wer wissen will, wie Europas Fußball-Elite funktioniert, weiß das spätestens jetzt.

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Funkel geholt und Funkel bekommen

Wer diese kleine Seite hier regelmäßig mitverfolgt, der weiß: Nein, ein echter Anhänger von Friedhelm Funkel war ich vom ersten Tag an nicht. Dass 1860 seit September exakt den Funkel-Fußball spielt, der im besten Fall effizient, aber selten schön anzuschauen ist, sollte deshalb niemanden wundern. Wundern sollte man sich allenfalls darüber, dass sie sich bei 1860 jetzt wundern. Sie haben Funkel geholt und Funkel bekommen. Das Resultat ist bekannt: Die Saison war mal wieder frühzeitig vorbei und dass es auch nur ein einziges Spiel von hohem Erinnerungswert in den vergangenen Monaten gegeben hätte, kann man nun wirklich nicht behaupten. Falls es jemals einen Funkel-Effekt beim Trainertausch im vergangenen September gegeben hat, dann ist er schon lange wieder verpufft: Platz 14 in der Rückrunden-Tabelle spricht eine mehr als eindeutige Sprache. Viel öder als in den letzten Monaten kann eine Saison kaum verlaufen.

Es ist müßig, jetzt im Detail über die Ursachen zu debattieren. Dass der Kader auch in diesem Jahr nicht wirklich aufstiegsreif war, geschenkt, das kann man Funkel nicht zum Vorwurf machen. Wohl aber, dass aus einer mäßigen Mannschaft eine sehr mäßige geworden ist. Und damit ist dann auch schon alles gesagt, was man zum Trainer Funkel sagen kann.

Wohl aber stellt sich mal wieder die Frage: Was passiert bei den Löwen überhaupt? Hat da irgendjemand eine Idee, ein klares Konzept? Einen Sportdirektor gibt es nicht mehr, einen Trainer de facto auch nicht mehr – und auch, das ist viel schlimmer, keine echte Idee, wohin mal will. Das jährliche Bekenntnis, demnächst wolle man es aber ganz sicher packen mit dem Aufstieg, wirkt nach zehn Jahren 2. Liga etwas ermüdend – und inhaltsleer sowieso. Wollen kann man viel.

Sicher jedenfalls ist: 1860 muss endlich raus aus dieser unentschlossenen Haltung, mit der man sich Jahr für Jahr durch die Liga wurschtelt. Was man bräuchte: ein Konzept, das über mehrere Jahre trägt, das junge Eigengewächse fördert und ein Spielsystem konsequent aufbaut. Sechzig müsste, pardon, ebenso konsequent verzichten auf mediokre Serben, Griechen oder Polen. Lieber ein, zwei Jahre möglicherweise auch mal gegen den Abstieg spielen, aber eine Perspektive entwickeln. Die Fans stünden jedenfalls mehr dahinter als hinter einer weiteren Saison, in der am Ende wieder erwartbar Platz 7 rausschaut.

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Die Lage der Liga (13): Deutsche Verhältnisse

Es ist noch nicht so lange her, da hat man uns davor gewarnt: spanische Verhältnisse. Also solche, in denen die Meisterschaft in der Liga maximal von zwei Mannschaften ausgemacht werden kann – und das über etliche Jahre hinweg. Weil alle anderen keine realistische Chance haben, in diesen Zweikampf einzugreifen.

Seit gestern Abend nunmehr steht fest, was man eigentlich schon seit dem Herbst wusste: Der FC Bayern ist Meister, Glückwunsch dazu übrigens. Neben vielen anderen Rekorden und Superlativen muss man in diesem Jahr auch zugestehen, dass die Bayern der vermutlich verdienteste Meister aller Zeiten sind. Man muss schon ein heftig verblendeter Bayern-Hasser sein, um das nicht einzugestehen. Die Bayern waren in allem die Besten, da war kein Dusel und auch kein einziges unansehnliches Spiel. Besser geht´s nicht. Hoffen wir zumindest – wie soll das erst werden, wenn die Bayern noch besser werden?

Man würde sich also inzwischen geradezu wünschen, wenn wir spanische Verhältnisse hätten. In Spanien haben Real und Barca gerade einen epischen Classico hingelegt – und trotzdem ist nicht mal sicher, ob nicht am Ende ein Dritter Meister werden könnte. Die Bundesliga hingegen ist dieses Jahr von den Bayern zu Tode gesiegt worden. Selbst die beiden bisherigen Remis in der Liga gegen Freiburg und Leverkusen muss man ja als ausgesprochen glücklich zustande gekommen bezeichnen. Deutsche Verhältnisse also: Einer dominiert nach Belieben, die anderen liefern sich ein Schneckenrennen.

Das muss sich ändern, nach Möglichkeit sogar schnell. Nein, nicht die Bayern müssen schwächer werden, die anderen müssen zulegen. Weil sich speziell auf europäischer Ebene in diesem Jahr gezeigt hat, dass es der Liga in der Breite noch erheblich an Stärke fehlt. Der aktuelle Tabellendritte ist gegen Real hoffnungslos untergegangen mit 2:9 Toren, ähnlich desaströs hat sich der Vierte gegen Paris St. Germain präsentiert. Und bei allem Respekt vor dem BVB: dass dieses Jahr im Viertelfinale gegen Real Schluss ist, ist keine sonderlich gewagte Prognose. Über die Europa League brauchen wir erst gar nicht reden, da spielen deutsche Mannschaften schon seit Jahren keine wirkliche Rolle mehr. Wer sich für sie qualifiziert, ist beliebig: Zwischen den Plätzen 4 und 8 spielen in der Liga generell Mannschaften, die international bestenfalls Durchschnitt sind.

Die anderen müssen also langsam mal ihre Komfortzone verlassen. Bei Schalke sieht man immerhin die Früchte einer ausgezeichneten Nachwuchsarbeit, der BVB kann zudem auf eine böse Verletzungsmisere in diesem Jahr verweisen. Idealerweise reden wir also nächstes Jahr von einem spannenden Zweikampf an der Spitze – und am Ende könnte sogar ein Dritter Meister werden.

Dann hätten wir wirklich diese spanischen Verhältnisse. Vor denen man uns so lange gewarnt hat.

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